Familiengeschichte · Hugenotten · Uckermark

Familie Ouart (Huart) und Ney

Hugenottische Vorfahren aus dem Hennegau, seit ca. 1700 in der Uckermark – eine Spurensuche durch drei Jahrhunderte.

Die Hugenotten in der Uckermark

Wie viele Familien in und um Berlin stammt auch unsere Familie von den Hugenotten ab.

Mit dem Edikt von Fontainebleau 1685 wurde den Hugenotten jegliche Ausübung ihres Glaubens untersagt; rund 400.000 Menschen mussten daraufhin fliehen.

Der Kurfürst von Brandenburg Friedrich Wilhelm erließ noch im selben Jahr das Potsdamer Edikt und schuf damit einen Anreiz für die Réfugiés, sich in der Mark niederzulassen.

Das Potsdamer Edikt – konkret

Der Große Kurfürst sicherte den Flüchtlingen zu: zehn Jahre Steuerfreiheit, kostenloses Bauholz und Grundstücke, Zollfreiheit für mitgeführte Habe, Gottesdienste in französischer Sprache und eigene Gerichtsbarkeit.

Für ein vom Dreißigjährigen Krieg ausgelaugtes Brandenburg war es weniger Glaubenstoleranz als kluge Bevölkerungspolitik – für die Hugenotten eine Einladung, die rund 20.000 Menschen annahmen.

Unsere hugenottischen Vorfahren kamen um 1700 aus dem Hennegau (heute Belgien, damals Teil der spanischen Niederlande) in die Uckermark nach Klein Ziethen, das nach dem Dreißigjährigen Krieg völlig zerstört und entvölkert war.

Gedenkstein für den Stammesvater der Familie Ouart, eingeweiht am 6. Oktober 1963
Gedenkstein für den Stammesvater
eingeweiht am 6. Oktober 1963

Ein Gedenkstein in Klein Ziethen, eingeweiht am 6. Oktober 1963, erinnert noch heute an den Stammesvater dieser Linie – die Familie, die in der Kolonieliste als Ouhart eingetragen wurde und aus der alle heutigen Träger des Namens Ouart hervorgehen.

Kolonieliste Klein Ziethen, 1700

Bellet, Benoist, Burlos, Canon, Charlet, Cornet, Defrene, Dehon, Derfin, Dieur, Doyé, de Frise, Fosse, Gaufrié, Gautrié, Guerost, Guilbert, Herman, Laurent, Lienart, Leféfe, Mension, Mercier, Nain, Miquet, Ouhart, Orbain, Perrot, Raviat, Ruel, Sammé, Suisse, Supply, Therein, Vattiaur, Vilain, Villemin, Villmart

Was die Hugenotten nach Brandenburg brachten

Mit den Flüchtlingen kamen neue Handwerke (Strumpfwirker, Tuchmacher, Seidenweber, Hutmacher), neue Nahrungsmittel (Blumenkohl, Artischocken, Spargel, Weintrauben) und ganze Gewerbezweige (Uhrmacherei, Spiegelmanufaktur, Bijouterie). In der Uckermark führten sie zudem den Tabakanbau ein, der bis ins späte 20. Jahrhundert die Region prägte. Um 1700 war etwa jeder fünfte Berliner hugenottischer Herkunft.

Mehr über die Hugenotten und ihre Geschichte →

Die Familie in Zahlen

Der Forschungsstand unserer genealogischen Datenbank – dokumentierte Vorfahren, Verwandte und Seitenlinien über elf Generationen hinweg.

8.942 Dokumentierte
Personen
168 Direkte Vorfahren
im Kern-Stammbaum
3.298 Familien
1.649 Eindeutige
Nachnamen
362 Quellen
13.762 Quellen-Zitate
57 Durchschnittliche
Lebensspanne (Jahre)
103 Älteste
erreichte Lebenszeit

Stand: April 2026

Der Name Ouart

Der Familienname ist in seiner heutigen Form selten – und er hat eine Entwicklung hinter sich, die den Weg unserer Vorfahren widerspiegelt: von der ursprünglichen französischen Schreibung über die Eintragung in die Kolonieliste bis zur heutigen deutschen Form.

HuartUrsprüngliche Schreibung
OuhartKolonieliste Klein Ziethen 1700
OuartHeute

Die Urform Huart ist ein im Hennegau verbreiteter Familienname, abgeleitet vom germanischen Vornamen Hugo („der Verständige“ oder „der mit Geist Begabte“). Bei der Eintragung in deutsche Kirchen- und Dorfbücher wurde die französische Aussprache phonetisch festgehalten – so wurde aus Huart zunächst Ouhart, später Ouart. Das anlautende H verschwand, weil es im Französischen stumm ist und deutsche Ohren es beim Hören nicht wahrnahmen.

Alle heutigen Träger des Namens Ouart, von Berlin über die Uckermark, gehen auf den in der Kolonieliste verzeichneten Stammesvater zurück.

Stationen der Familie

Vom Hennegau über die Uckermark bis nach Berlin – und mit einer Seitenlinie nach Übersee. Die wichtigsten Orte, an denen unsere Vorfahren gelebt haben.

Frankreich Deutschland Skandinavien Polen Alpen Nordsee Ostsee Hennegau / Mons bis um 1685 Klein Ziethen Uckermark, ab 1700 Berlin ab 19. Jh., heute Neustrelitz Linie Ney Leipzig Linie Ney / Schröder Chemnitz Linie Künzel Waldau / Bunzlau Linie Jackisch Dänemark Familie Petersen USA Seitenlinie
Hugenotten-Herkunft Ouart-Linie (Uckermark & Berlin) Ney-Linie Weitere Vorfahrenlinien Dänemark-Seitenlinie USA-Seitenlinie

Meilensteine

Vom Edikt von Fontainebleau bis heute – über 340 Jahre Familiengeschichte.

Geschichtlicher Kontext Familienereignis
1598

Edikt von Nantes

König Heinrich IV. garantiert den französischen Protestanten Glaubens- und Bürgerrechte. Für fast 90 Jahre können Hugenotten im katholischen Frankreich legal ihren Glauben praktizieren.

1618

Beginn des Dreißigjährigen Krieges

Der konfessionelle Konflikt im Heiligen Römischen Reich fordert in den nächsten 30 Jahren Millionen Tote. Brandenburg verliert bis 1648 etwa zwei Drittel seiner Bevölkerung – ganze Landstriche liegen anschließend brach.

um 1640

Charles Ouart geboren

Geboren in Mons im Hennegau.

1648

Ende des Dreißigjährigen Krieges – Westfälischer Friede

Nach 30 Jahren beendet der Friedensvertrag von Osnabrück und Münster den Krieg. Er erweitert die religiöse Toleranz im Reich auf die Reformierten – die rechtliche Grundlage dafür, dass Brandenburg später calvinistische Hugenotten aufnehmen kann.

1685

Edikt von Fontainebleau

Ludwig XIV. widerruft das Edikt von Nantes. Hugenotten dürfen ihren Glauben nicht mehr ausüben; wer auswandert, dem droht der Galeerendienst – und doch fliehen rund 400.000 Menschen.

1685

Potsdamer Edikt

Kurfürst Friedrich Wilhelm lädt die Vertriebenen nach Brandenburg ein – mit Steuerfreiheit, Bauholz und eigener Gerichtsbarkeit. Rund 20.000 Hugenotten folgen dem Ruf.

um 1700

Ankunft in Klein Ziethen

Unsere hugenottischen Vorfahren aus dem Hennegau siedeln sich in Klein Ziethen an. In der Kolonieliste werden sie unter dem Namen Ouhart eingetragen. Das Dorf war nach dem Dreißigjährigen Krieg völlig entvölkert.

1701

Königreich Preußen

Friedrich I. lässt sich in Königsberg zum „König in Preußen“ krönen. Damit wird das brandenburgische Kurfürstentum, in dem unsere Vorfahren gerade angekommen sind, zum Königreich.

1822

Pierre Ouart geboren

Geboren in Klein Ziethen als Sohn von Jacques Ouart und Elisabeth Manouri.

1868

Hochzeit in Kewanee, Illinois

Peter Ouart (geboren 9. August 1839 in Klein Ziethen) und Ottilie Bartz (geboren 1848 in Klein Ziethen) heiraten am 19. Dezember 1868 in Kewanee, Illinois. Aus dieser Linie geht die amerikanische Seitenlinie hervor.

1871

Deutsche Reichsgründung

Preußen wird Teil des neu gegründeten Deutschen Reiches. Klein Ziethen und Berlin gehören jetzt zum selben Staat.

1911

Hochzeit Stenzel – Jackisch

In Berlin heiraten Hermann Stenzel und Elisabeth Jackisch. Die standesamtliche Heiratsurkunde ist als Familiendokument erhalten.

1914–1918

Erster Weltkrieg

Der erste industrielle Krieg der Geschichte fordert weltweit rund 17 Millionen Tote. Mit der Niederlage und dem Versailler Vertrag 1919 endet auch das Deutsche Kaiserreich.

1933–1945

NS-Zeit

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten beginnt die dunkelste Epoche der deutschen Geschichte: Diktatur, Verfolgung, Holocaust und schließlich der Zweite Weltkrieg.

1939–1945

Zweiter Weltkrieg

Der von Deutschland entfesselte Krieg fordert weltweit über 60 Millionen Tote. Berlin wird in Trümmer gelegt, Schlesien als Teil der deutschen Ostgebiete geht 1945 verloren.

1945

Kriegsende und Vertreibung aus Schlesien

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verlieren Millionen Deutsche ihre Heimat in den Ostgebieten.

1963

Einweihung des Gedenksteins

Am 6. Oktober wird in Klein Ziethen ein Gedenkstein für den Stammesvater eingeweiht – sichtbare Erinnerung an mehr als 260 Jahre Familiengeschichte an diesem Ort.

2011

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Beginn der systematischen Erfassung und Dokumentation der Familiengeschichte in dieser Online-Form.